Erstmaliger Einsatz des Videobeweises im internationalen Profifußball
Steinrücke . Sausen

Erstmaliger Einsatz des Videobeweises im internationalen Profifußball


Am 21. September 2016 wurde der Videobeweis im Pokalspiel der niederländischen Vereine Ajax Amsterdam und Willem II (Tilburg) erstmals im internationalen Profifußball eingesetzt und nahm dort gleich Einfluss auf den Spielverlauf.

Dem Schiedsrichter auf dem Platz assistierte von einem Regiewagen vor dem Stadion aus Pol van Boekel als „Video-Schiedsricher“. Dieser verfolgte über acht TV-Kameras das Spiel auf dem Rasen und kommunizierte mit dem Schiedsrichter auf dem Spielfeld via Headset. Nach einem Foulspiel in der 58. Minute griff der Video-Schiedsrichter beim Stand von 2:0 für Ajax Amsterdam ein, wonach Tilburgs Mittelfeldspieler Anouar Kali vom Platz verwiesen wurde. Schiedsrichter Danny Makkelie hatte zuerst nur die Gelbe Karte gezeigt. „Meine erste Einschätzung war unabsichtliches Foulspiel, also Gelbe Karte. Die habe ich dem Spieler auch gezeigt und dann bekam ich innerhalb von wenigen Sekunden vom Video-Schiedsrichter die Nachricht, dass es Rot ist, ein brutales Foulspiel und dann habe ich meine Entscheidung korrigiert.“, so Danny Makkelie.

Hier griff Video-Schiedsrichter Pol van Boekel ein, der die Szene über zwei große und drei kleine Computerbildschirme mehrfach und genau analysierte. „Ich habe ein Foulspiel gesehen und mir die Szene danach mehrfach aus verschiedenen Perspektiven angeschaut und danach war klar, dass es eine Rote Karte ist.“ Eine korrekte Entscheidung. „Die Technik hat ihren Wert bewiesen“, sagte Schiedsrichter Makkelie nach dem Spiel.

Der Videobeweis war in den letzten vier Jahren in rund 100 Spielen der Ehrendivison, der 1. niederländischen Liga getestet worden. Dort ergaben Analysen, dass der Videobeweis bei jeder dritten spielentscheidenden Situation sinnvoll gewesen wäre. Der Video-Schiedsrichter darf nur in spielentscheidenden Situationen wie bei Elfmetern, Platzverweisen oder bei einem Tor aus möglicher Abseitsposition eingreifen.

Nach Freigabe der neuen Technik durch das International Football Association Board soll diese noch in 25 Pokalspielen des Königlich Niederländischen Fußballverbandes (KNVB) eingesetzt werden. Diese und die kommende Saison betrachtet der KNVB noch als Testphase, um den Videobeweis nach derzeitigem Stand dann ab Sommer 2018 offiziell einzuführen.

Nach einem Test Anfang September beim Länderspiel zwischen Italien und Frankreich hatte Fifa-Präsident Gianni Infantino die Hoffnung geäußert, die Technologie auch bei der Weltmeisterschaft 2018 in Russland einsetzen zu können. Der nächste Fifa-Test ist für den 15. November 2016 beim Testspiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Italien in Mailand geplant. Weitere Tests soll es noch in dieser Saison in anderen nationalen Ligen geben, darunter in der Bundesliga.

Köln, den 22. September 2016

Kategorie: Sport & Recht, 22. September 2016



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